Die Versöhnung der Saufkumpane nutzte nichts

Das Gericht verurteilte den Schläger zu acht Monaten auf Bewährung

Mönchengladbach, 7. Juli 2006. Ein Spätaussiedler aus Litauen war in seiner Wohnung bei einem Saufgelage von einem Russlanddeutschen krankenhausreif geschlagen worden. Das Polizeipräsidium Mönchengladbach hatte Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung aufgenommen. Das Opfer hatte auf eine Strafanzeige verzichtet, weil "der Täter nicht ins Gefängnis gehen soll". (Aktenzeichen: Polizeipräsidium Mönchengladbach 50600-005283-06/0). Trotzdem wurde der Schläger nun vom Amtsgericht Mönchengladbach zu einer Strafe von acht Monaten Gefängnis mit Bewährung verurteilt.

Die Körperverletzung wird von den Russlanddeutschen nicht als wirkliche Straftat empfunden. Die Russlanddeutschen haben in Russland die Erfahrung gemacht, dass der Staat nur im Falle von Tötungsdelikten konsequent eine Strafverfolgung betrieben hat. Körperverletzungen gleich welcher Schwere hat der Staat nur dann verfolgt, wenn das Opfer darauf bestanden hat. Wenn Opfer und Täter sich also bei einer Flasche Schnaps versöhnten, kümmerte sich in Russland der Staat nicht weiter um die Sache.

In Deutschland sind die Bestimmungen des Strafgesetzbuches ganz anders. Eine Versöhnung zwischen Täter und Opfer kann nur im Falle einer einfachen Körperverletzung die Strafverfolgung ausschließen, weil die einfache Körperverletzung grundsätzlich ein Antragsdelikt ist. Doch die gefährliche oder schwere Körperverletzung sind Offizialdelikte mit der Folge, dass die Staatsanwaltschaft von Amts wegen ermittelt und der Täter auch gegen den Willen des Opfers bestraft wird. In Deutschland ist es keine Privatsache, den Frieden unter den Menschen zu stören.

Autor: Wilhelm Klumbies, D-41065 Mönchengladbach