Schloss Rheydt in Mönchengladbach, eine Pilgerstätte für Neonazis?

Mönchengladbach, 12. Juli 2011. Gibt es in Mönchengladbach auch solche Orte, an denen Politiker gewesen waren, die das demokratische Deutschland geprägt haben?

Kürzlich hatte ich Besuch aus Litauen, einem Staat der ehemaligen Sowjetunion. Litauen ist demokratisch und hat mit der kommunistischen Vergangenheit der Sowjetunion nichts mehr zu tun. Und Deutschland ist eine Demokratie, die mit dem Nationalsozialismus nichts mehr zu tun hat. Ich hatte mich auf eine Begegnung ohne politische Diskussionen eingestellt und wollte dem Gast einige Sehenswürdigkeiten in der Umgebung von Mönchengladbach zeigen.

Schloss Rheydt stand auf dem Programm. Wir schauten uns in den Ausstellungsräumen um. Und irgendwann gelangten wir in einen Ausstellungsraum, in dem auf Schautafeln zu lesen war, dass das Schloss Rheydt 1942 zur Residenz für Josef Göbbels, den Propagandaminister von Adolf Hitler, umgebaut worden war. Stolz wurde darüber berichtet, dass Josef Göbbels nachweislich zweimal das Schloss Rheydt besucht hatte.

Mein Besucher war erstaunt, dass ich ihm als erstes einen Ort gezeigt hatte, an dem ein Gefolgsmann von Adolf Hitler gewesen war. Anschließend sollte ich ihn auch an die Orte in Mönchengladbach führen, an denen beispielsweise Konrad Adenauer, Willy Brandt oder Theodor Heuss gewesen waren. Solche Orte waren mir nicht bekannt.

Mein Bekannter ist ein höflicher Mensch. Er sagte nicht was er dachte, aber er hat sein Erstauen durchblicken lassen, dass ihn an eine Pilgerstätte der Neonazis geführt hatte und nicht an solche Orte in Mönchengladbach, an denen Politiker gewesen waren, die das demokratische Deutschland geprägt haben.

Autor: Wilhelm Klumbies, D-41065 Mönchengladbach