Kleingärtner dürfen sich nicht gegenseitig helfen

Die Satzungen der Kleingärtnervereine verhindern das gemeinschaftliche Miteinander

Mönchengladbach, 10. September 2011. Eine funktionierende Nachbarschaftshilfe im Kleingärtnerverein hätte den Ruin verhindert.

Dieser Bericht handelt von einem Kleingärtner-Ehepaar aus Mönchengladbach. Etwa 20 Jahre bearbeiteten sie ihren Kleingarten, bis der Ehemann ein Pflegefall wurde. Der Ehefrau fiel es immer schwerer, neben der Pflege ihres Mannes auch den Kleingarten zu bewirtschaften. Eines Tages entschloss sich die Kleingärtnerin, den Kleingarten zu verkaufen. Der Kleingarten wurde bewertet und bald fand sich ein Käufer, der ohne zu feilschen den vom Gutachter festgesetzten Preis zahlte. Die Kleingärtnerin hatte lange keinen Urlaub mehr gemacht. Sie gab ihren Ehemann in eine Kurzzeitpflege bei einer Zuzahlung von weniger als 20 Euro.

Von dem Erlös für den Kleingarten fuhr die Kleingärtnerin in Urlaub, aber nach dem Urlaub ließ sie ihren Mann im Pflegeheim. Doch für die Dauerpflege im Pflegeheim war die Zuzahlung viel höher. Zuerst wurde das Auto abgeschafft und schließlich auch das Haus verkauft. Einige Monate, nachdem das Haus verkauft war, starb der Kleingärtner im Pflegeheim.

Der Käufer des Kleingartens fand keinen Gefallen am Kleingarten, weil sein Vorgänger seinen Kleingarten nie wieder gesehen hat, obwohl mit seiner Frau abgesprochen war, dass er sich sooft er will im Kleingarten aufhalten kann. Der Käufer will den Kleingarten so schnell wie möglich wieder loswerden, weil sein Vorgänger bis zu seinem Tode wohl zornig war, wenn er an seinen Kleingarten und die fremden Menschen in seinem Kleingarten gedacht hat.

Der Käufer meint, es war ein Fehler, den Kleingarten zu kaufen. Es wäre besser gewesen, dass die Kleingärtnergemeinschaft der Nachbarin im Kleingarten geholfen hätte. So hätten die Kleingärtnerin und ihr pflegebedürftiger Ehemann den Kleingarten, das Auto und das Haus behalten. Der Kleingärtner hätte sein Leben dort beenden können, wo er sich heimisch fühlte. Doch leider sieht die Satzung des Kleingärtnervereins vor, dass jeder seinen Kleingarten selbst bewirtschaften muss.

Überall in Deutschland wird das gemeinschaftliche Miteinander und die Nachbarschaftshilfe gefördert, nur nicht in den Kleingärtnervereinen.

Autor: Wilhelm Klumbies, D-41065 Mönchengladbach

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